ADHS/ADS gehört ebenso zu den neurodiversen bzw. neurodivergenten Eigenschaften, deren öffentliche Diskussion bereits in den 70er Jahren begann, aber bis heute nicht an Aktualität verloren hat.
Aus medizinischer Sicht ist ADHS/ADS eine neurologische Entwicklungsstörung, die mit einem Aufmerksamkeitsdefizit, Konzentrationsstörungen, Impulsivität sowie körperlicher Unruhe einhergeht. Im Vergleich zu ADHS ist bei ADS keine (so extreme) körperliche Hyperaktivität vorhanden.
Doch auch hier wurde im Laufe der letzten Jahre immer deutlicher, dass die Annahmen und Behauptungen bei ADHS/ADS, ebenso wie bei Autismus als auch anderen neurodiversen Veranlagungen, nicht zutreffen.
Denn ADHS/ADS ist per se weder eine Erkrankung noch eine Störung, sondern eine neurodiverse Veranlagung, bei der Menschen ihre Umwelt aufgrund ihres sensiblen und differenzierten Nervensystems anders wahrnehmen, als das Menschen mit neurotypischen Veranlagungen tun. Das bedeutet, dass eine Erkrankung oder neurologische Störung nicht mit einer natürlichen Veranlagung verwechselt werden sollte.
Zur Erinnerung: Forscher wie Jerome Kagan, haben bereits vor Jahrzehnten in ihren Untersuchungen erkannt, dass manche Kinder aufgrund ihres reizoffeneren Nervensystems viel schneller und deutlicher auf Reize reagierten, als das Kinder mit einem weniger reizoffenen Nervensystem taten. Das ist weder gut noch schlecht, sondern zeigt einfach nur die Vielfalt der menschlichen Natur, die es schon immer gegeben hat.
Die erwähnten Veranlagungen also mit einer Störung gleichzusetzen, wird den Menschen nicht gerecht und ist ebenso, als würde man einem Jaguar sagen, er müsse eher wie ein Miezekätzchen sein.
Die positiven und negativen Seiten von ADHS/ADS
Menschen mit ADHS/ADS zeichnen sich beispielsweise dadurch aus, dass sie überaus detailreich wahrnehmen, einen permanent aktiven Denkapparat haben, sehr kreativ sind, und voller Energie stecken, die kanalisiert werden möchte. Auch deshalb tun sich Kinder, Jugendliche und selbst Erwachsene schwer über mehrere Stunden still zu sitzen, ohne den Überschuss an Energie abbauen zu können. Vor allem, wenn die Lerninhalte sie nicht fordern bzw. interessieren.
Weitere positive Eigenschaften sind, dass sie gleichzeitig mehrere Ideen haben können und diese volle Euphorie in die Welt bringen wollen. Doch tun sie sich bisweilen schwer, diese Ideen auch umzusetzen. Hier hilft es sich Strukturen aufzubauen, die sie nicht langweilen, ihnen Raum für körperliche Bewegung lassen und dabei ermöglichen ihre Gedanken und Ideen zu bündeln, um sie schließlich in die Realität umsetzen zu können.
Ebenso positiv ist, dass sie in der Lage sind Details der letzten Jahre bis Jahrzehnte detailgetreu wiederzugeben, während andere diese längst vergessen haben.
Was vielen zu schaffen macht ist, dass der Körper durch die ständige Flut von Reizen nicht abschalten und zur Ruhe kommen kann. Abhilfe kann man schaffen, indem man lernt für sich zu sein und ein Gleichgewicht zwischen Ruhe und Aktivität herzustellen.
Was brauchen ADHS/ADSler, um in ihrem Optimum zu sein?
ADHSler brauchen oft eine ständige Reizbeschallung, d.h. je mehr Adrenalin umso besser. Ganz im Gegenteil zu hochsensiblen oder autistisch veranlagten Menschen, die sich in einer reizärmeren Umgebung wohler fühlen und besser funktionieren.
ADHSler können auch gut unter Druck arbeiten und sind daher bspw. in medizinischen, juristischen oder journalistischen Berufen zu finden. Was natürlich nur ein kleiner Ausschnitt ist.
Manchmal kann aber auch eine vollkommene Ruhe das Richtige sein. Hier finden sich eher die ADSler wieder, die man auch gerne als „Träumer oder Tagträumer“ bezeichnet. Sie brauchen nicht so extrem das körperliche Ausagieren wie ADHSler, um ihren Energieüberschuss zu kanalisieren, als vielmehr kreative und/oder geistige Aktivitäten. Beruflich kann man sie z.B. in sozialen, künstlerischen oder therapeutischen Berufen finden – auch das ist natürlich nur ein winziger Ausschnitt.
ADHS/ADS in Verbindung mit anderen neurodiversen Veranlagungen
Wie bei vielen anderen „Neuros“, kann ADHS/ADS mit anderen neurodiversen Veranlagungen gekoppelt sein. Beispielsweise können ADHSler/ADSler zudem hoch– oder vielbegabt, hochsensibel oder autistisch veranlagt sein, um nur einige Beispiele zu nennen.
Was Kinder mit ADHS/ADS brauchen
Ein Kind mit ADHS/ADS braucht ebenso wie jedes andere Kind bestimmte Bedingungen und Gegebenheiten, um sich gut und stabil entwickeln zu können.
Wenn Kinder in dem Bewusstsein aufwachsen, dass sie mit ihrer Veranlagung völlig ok sind, sich akzeptiert fühlen und sich in ihrem Umfeld gemäß ihrer Veranlagung natürlich entwickeln können, werden diese Kinder später keine Probleme aufweisen. Dann ist ADHS/ADS einfach nur eine von vielen anderen wundervollen Veranlagungen, die Menschen haben können.
Wachsen Kinder jedoch in einem Umfeld auf, dass sie permanent dahin erziehen und adaptieren will, gegen ihre Veranlagung zu agieren und ihnen das Gefühl gibt nicht richtig zu sein, wird dies sehr wahrscheinlich zu Problemen führen, die man später „behandeln“ muss.
Das ist jedoch ein gesellschaftliches Problem, dessen sich der Mensch annehmen darf und keines, das in einer genetischen Veranlagung wie der Neurodiversität bzw. Neurodivergenz zu suchen ist.
Wer kommt als Klient zu uns?
Viele unserer Klienten sind neurodiverse Menschen. Wenn neurodivers, dann am häufigsten Hochsensitive, Hochsensible, Hoch- und Vielbegabte, Autisten, ADHS/ADSler, Dyslexiker und Legastheniker. Weniger Erfahrungen haben wir mit Menschen mit Tourette oder Dyspraxie.
Ebenso finden sich Menschen bei uns ein, die neurotypische Veranlagungen haben.
Willkommen ist jeder, der mit uns und unserer Arbeit in Resonanz geht und Hilfe auf energetische Art und Weise sucht.